Rede Mahnwache in Mosbach - Dr. Dorothee Schlegel

Veröffentlicht am 15.06.2025 in Europa

Wann ist Frieden, endlich Frieden und all das Elend vorbei?

Den Refrain des Liedes von Reinhard Mey aus dem Jahr 1994 haben wir alle im Ohr. Und ich bin dabei traurig und wütend zugleich.

Wenn wir nur wüssten, wann endlich Frieden werden wird. Die Frage ist jedoch auch: wie soll ein Frieden, wie soll dieser Frieden aussehen und wer bestimmt das Wann und Wie?

In den letzten Jahren und Monaten haben sich unterschiedlichste Politiker positioniert und Ideen geäußert, dass SIE es sein könnten, die Einfluss auf mögliche Friedensverhandlungen haben. Sie haben Hoffnungen genährt, aber waren gleichzeitig voller Widersprüche. Waffen liefern – ja oder nein? Welche Waffen liefern und wann? Oder gibt es andere Unterstützungen, wie die Zollerleichterungen, mit denen die EU der Ukraine helfen wollte?

Dass Trumps Vorhaben Ich telefoniere mal kurz mit Wladimir – das mit dem Frieden oder dem Waffenstillstand wird schon funktionieren gescheitert ist, war abzusehen. Auch sofort für einen Waffenstillstand sorgen zu wollen, wie er es an der Seite von Friedrich Merz im Weißen Haus sagte, wird nicht gelingen, wenn es nur bei Worten für die Presse bleibt.  Denn niemand nimmt ihn ernst, außer, die die sich langsam vor ihm fürchten – auch im eigenen Land.

Ich frage mich, um am Lied zu bleiben: ist denn der Kriegsapparat so wichtig, die militärische Stärke so entscheidend? Um jedes Planquadrat im Sand oder um 135 m Frontverschiebung oder weniger pro Tag wird gerungen und dabei für einen Wahn so viel Blut vergossen. Laut einer Studie nähert sich Russland bereits jetzt im Sommer bei den militärischen Opfern der Marke von 1 Million, mit 250.000 Gefallenen und 750.000 Verwundeten. Die meisten übrigens aus dem hohen Norden, aus dem Fernen Osten und aus den Gefängnissen Russlands. Die Ukraine verzeichnet etwa 100.000 Gefallene und 300.000 Verwundete.

Und die Zivilbevölkerung – das Kind auf der Bahre, von Granatsplittern verletzt – zahlt ebenso ihren Preis. 13.000 seien es bislang – viele davon habe wir hier kennengelernt und ihrer gedacht.

Zu vermuten ist leider, dass wir zu viele ruhmsüchtige Kriegsminister und zu viele Personen mit imperialistischen Wahnideen haben, aber auch zu viele Menschen, denen der Krieg in irgendwelcher Weise Vorteile bringt, ob finanziell und/oder fürs eigene EGO. „Ihr sogenannten ehrenwerten Herrn in Nadelstreifen“, singt Mey.

Alle Achtung habe ich vor Franz Alt, der vor weit über zwei Jahren das Manifest für den Frieden mit unterzeichnete und damals – als Christ und Pazifist – gesagt hat: Der Ukraine jetzt keine Verteidigungswaffen zu liefern, halte ich nicht für pazifistisch, sondern für unterlassene Hilfeleistung. Und er ergänzt im Hinblick auf das biblische Gebot Du sollst nicht töten. Dies bedeute auch: Du sollst nicht töten lassen und wenn du die Chance hast, dem anderen zu helfen, dass er nicht getötet wird, ist das immer inbegriffen. Der frühere Außenpolitik-Experte Michael Roth hat die schmerzhafte Erkenntnis formuliert: Aus Frieden schaffen ohne Waffen wurde ein Frieden schaffen mit Waffen. Er könne seine Hände nicht in Unschuld waschen – vor allem nicht durch Nichtstun.

Was braucht es nun, damit das Ende der Barbarei naht oder zumindest nicht aus dem Blick verschwindet?

Ein paar einfache Ideen – wenn doch alle mitmachen würden:

  1. Nicht mehr America oder jetzt Polen first, sondern Frieden first müsste auf allen Schirmmützen stehen.  Frieden braucht die tatkräftige Solidarität aller. Es mag schwierig, aber wahr sein, Frieden in der Ukraine ist nur MIT Russland zu schaffen. Deutschland, die EU, die NATO können und müssen daher –  mit vielen Verbündeten – auf die jeweiligen Kriegsparteien einwirken und auf das Friedensziel hinwirken – um der Menschlichkeit willen.
  2. Für den Triumph des Bösen, so lautete die Überschrift zur 100. Mahnwache im Februar vor einem Jahr, braucht es nichts weiter, als dass die Guten untätig bleiben. „Wir helfen weiterhin“, versprach der Landrat. „Wir“ sind wir alle, nicht nur die Funktionsträger. Es liegt an uns, wie wir über Menschen auf der Flucht reden, welche Grenzen wir in unseren Köpfen ziehen und wie wir durch unser Wahlverhalten die Politik „da oben“ mitbestimmen.
  1. „Der Frieden braucht die Demokratie“, lautete die Überschrift in der RNZ zum Unabhängigkeitstag der Ukraine am 24. August im vergangenen Jahr.  Und zurecht ist eben Frieden weit mehr als das Schweigen von Waffen. Im Artikel wurden weitere Ideen genannt:

Arno und Lena-Marie wollen sich weiter dafür einsetzen, dass für das Schöne gelebt werden kann, in Frieden – in Freiheit – in Unabhängigkeit. Frieden, so meine ich, braucht viele Geschwister in der Familie der Menschenwürde! Frieden ohne Freiheit bedeutet sehr wahrscheinlich Unterdrückung und ist kein menschenwürdiger Frieden. Umgekehrt scheinen Krieg und Diktatur ein unheilvolles Geschwisterpaar zu sein, schrieb der Landrat. Zwingend und unbedingt brauche daher der Frieden die Demokratie. Augen auf, um das Elend wirklich wahrzunehmen und nicht zum Putin-Versteher zu werden. WIR  können vor Ort immer wieder mit unseren Mitmenschen, die in ihren eigenen Verschwörungs-Blasen leben, reden. Blasen können platzen, der Mensch gegenüber ist lebendig und vielleicht auch liebenswert?

  1. Wir können Mut machen, für den Frieden untereinander tätig zu werden. Gehen wir mit gutem Beispiel auf unsere Mandatsträger zun, um ihnen ihre politische Verantwortung immer wieder bewusst zu machen. Wir dürfen sie gerne an ihre Versprechen und Worte erinnern, sich in all ihrem Tun für das Ende der Barbarei einzusetzen.

Gelegenheiten hierzu finden sich auch auf offiziellen Empfängen und bei Gesprächen. Der ehemalige Fraktionschef Rolf Mützenich hatte dazu treffend gesagt: Wir dürfen dem Krieg weder achselzuckend begegnen, noch die Diplomatie zur Seite legen.

  1. Wann ist Frieden? Das hängt auch davon ab, – das klingt nun etwas schräg – dass wir dafür kämpfen, dass wir unsere Möglichkeiten ausschöpfen, uns für den Frieden engagieren und die Menschen unterstützen, die unter dem Krieg leiden.  Dass wir das Leid der Menschen in der Ukraine – und leider auch an vielen anderen Orten der Erde – nicht im Alltag untergehen lassen. Menschheitsverbrechen und Ungerechtigkeiten, so Bruno Herberich, dürfen uns nicht egal sein.
  1. Ulrike Klaffke hatte Bertold Brecht zitiert: Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind. Und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, – und jetzt kommen wir Normalmenschen ins Spiel – wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.

Vier letzte Ideen, damit der weite und schwierige Weg zum Frieden gelingen kann:

  1. Dankbar zu sein, dass wir seit nunmehr 80 Jahren in Frieden und Freiheit und in einer Demokratie leben. Treten wir dieses Glück nicht mit Füßen, indem wir mit Kleinigkeiten unzufrieden sind, sondern treten dafür ein, dieses Glück zu erhalten.

Auf vieles können und könnten wir verzichten, aber auf diese wertvollen Güter sicher nicht. Denn der Krieg ist weltweit – und wir spüren dies hier! – zurückgekehrt, ebenso wie nach vielen Wahlen in den letzten Jahren auch der Autoritarismus und die Diktatur. Leider werden Interessen in der Politik – wieder oder verstärkt wieder - mit Gewalt und mit den Mitteln des Krieges durchgesetzt.

  1. Die Mahnwachen lehren uns diese Selbstverständlichkeiten nicht als in Stein gemeißelt und als gegeben einfach hinzunehmen. Sie sind auch Zeichen der Solidarität und der Verantwortung, die wir zu tragen haben.
  1. Der Presse sei Dank, immer wieder über die Mahnwachen zu berichten, um mehr Menschen zu sensibilisieren, als uns, die wir auch heute zusammenstehen.
  1. Das Spendenkässle wartet wie immer darauf, gefüllt zu werden, um ein wenig von dem Leid und dem leisen Weinen stillen zu können.

Ich bin dankbar, dass wir über Frieden, über die Werte der Freiheit, der Demokratie, der Solidarität und der Verantwortung reden, dass wir diese Werte, die das Leben so wertvoll machen, in den Mittelpunkt der Mahnwachen stellen, um dem Krieg, der Barbarei zwar von hier aus kein Ende bereiten zu können, aber ihm ein starkes Stück Menschlichkeit entgegen zu setzen.  

Dr. Dorothee Schlegel (Kreisvorsitzende)

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